Gelsenkirchener Kliniken unterstützen Forderung nach
verlässlicher Finanzierung:
Medizinische Sicherheit braucht eine sichere Finanzierung
(Gelsenkirchen): „Jobkiller Gesundheitspolitik“ – es ist ein massiver Vorwurf, den die 404 Kliniken in NRW in diesen Tagen mit einer großen Kampagne artikulieren. Der Ärger sitzt tief. Auch bei den Geschäftsführern der Gelsenkirchener Krankenhäusern. Über 100 000 Patienten werden hier jährlich stationär und gut 180 000 Patienten ambulant behandelt. Die Gesundheitswirtschaft ist in Gelsenkirchen ein wichtiger Arbeitgeber: In den Kliniken arbeiten rund 5.300 Menschen der unterschiedlichsten Berufsgruppen.
Peter Weingarten, Geschäftsführer von Sankt Marien-Hospital Buer und Marienhospital Gelsenkirchen, bringt es auf den Punkt: „Es ist seit Jahrzehnten erklärtes Ziel der Politik, den Bettenabbau in den Kliniken voranzutreiben. Das ist auch gelungen. Überkapazitäten sind verschwunden. Doch der finanzielle Druck auf die Häuser, die in den vergangenen Jahren bereits massive Einsparpotentiale nutzten, steigt weiter.“
Chronisch unterfinanziert seien die Kliniken. Die gekürzten Budgets in den Jahren 2011 und 2012 verschärfen zudem die Situation. „In den Budgetverhandlungen haben die Krankenkassen mit möglichen Beitragssatzerhöhungen Druck gemacht. Dann erzielten sie Milliarden Überschüsse - gespart wurde auf dem Rücken unserer Patienten“, kritisiert Weingarten und fügt hinzu: „Die Krankenhäuser haben ihren Sparbetrag für die gesetzliche Krankenversicherung geleistet!“
Werner Neugebauer, Klinik-Chef von Bergmannsheil Buer und Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen, machen die aktuellen Tarifabschlüsse Sorgen: „Neben den Energie- und Sachkostensteigerungen müssen wir auch die wachsenden Personalkosten verkraften.“ Gleichzeitig stellt er klar: „Auch die Klinikbeschäftigten müssen für ihre gute Arbeit angemessen bezahlt werden.“ Für die konfessionellen Kliniken sind der Tarifabschluss des Marburger Bundes und der im Öffentlichen Dienst Richtschnur. Die Gelsenkirchener Kliniken rechnen für den Personalkostenbereich mit einer Finanzierungslücke von 7,8 Mio. Euro im Jahr 2012. So falle es schwer freie Stelle in Medizin und Pflege zu besetzen; Personal, das dringend gebraucht würde. „Weitere Personalreduzierungen sind unmöglich - bevor das System kollabiert, bedarf es dringend einer dauerhaften Korrektur der Finanzierung zur Sicherung des notwendigen Personals und der durch Lohnerhöhung verbundenen Mehrkosten“, betont Harald Piehl, Verwaltungsdirektor der Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen.
Matthias Schwanewilms, Verwaltungsdirektor der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe, führt hierzu aus, dass sich durch die Finanzierungslücken und dem daraus resultierenden drohenden Personalabbau auch die Arbeitsbelastung des Personals erhöht: „Immer mehr Patienten müssen von immer weniger Personal betreut werden. Es ist schon heute erkennbar, dass durch diese Belastung Mitarbeiter in den Krankenhäusern vermehrt krank werden, ‚burn out’ ist hier das Stichwort.“
Die Gelsenkirchener Kliniken stehen zu ihrem Anspruch, eine qualitativ hochwertige wohnortnahe Patientenversorgung zu realisieren. Viel Geld steckten sie in den vergangenen Jahren in die Modernisierung von Patientenzimmern, Operationssälen und Funktionsbereichen. Investitionen in Medizintechnik und in medizinische Geräte sind zwingend – „da reden wir dann gleich von Beträgen im mittleren bis oberen sechsstelligen Bereich“, betont Andreas Merten vom Elisabeth-Krankenhaus.
Die Gelsenkirchener Kliniken sind sich einig: Die Krankenhäuser stehen landesweit am Limit. Sie sind der Kernbereich der Gesundheitswirtschaft in NRW und benötigen jetzt die Hilfe der Politik für Investitionen in Personal, Sicherheit und Qualität.
Weitere Informationen